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26 June 2007 @ 10:51 am
Gedanken  
Also:

Mein neuster deutscher Erguss :)

Ich habe den Gedanken verfolgt, was gewesen wäre, wenn es vielleicht eine Kibbs gegeben hätte, von der wir bis zum tragischen Ende der zweiten Staffel nichts mitbekommen hätten?

Was dabei rausgekommen ist : hier steht es

Danke wie fast immer an kibbslover, die mal wieder meinen Ar*** gerettet und einen spontanen Feuerwehreinsatz vom Zaun gebrochen hat. *riesen-dankesflausch*.


Über ein kleines FB würde ich mich natürlich immens freuen!
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Gedanken


Langsam sah er der langsam sinkenden Sonne nach, die ein trügerisch betörendes Lichtspiel an den Horizont zauberte. Rote, orange und gelbe Streifen schoben sich langsam nach unten und der Tag versank in den dunklen Fängen der Nacht.
Es wehte noch immer kein Lüftchen und die Fahnen hingen schlaff an ihren Masten; nur vereinzelt schwirrte ein verirrtes Vögelchen zwischen den Häuserfassaden umher und suchte Schutz vor der undurchdringlichen Dunkelheit der Nacht.
Er fröstelte leicht, obwohl die Luft um ihn herum von einer noch durchaus angenehmen Temperatur war; eine Tatsache die er aber nicht wirklich wahr nahm.

Gibbs wusste nicht, wie lange er schon in dieser Position verharrt war, wie lange er schon die Sonne beobachtete, wie sie langsam dem Mond Platz machte und die Schwärze der Nacht nicht mehr nur in seinem Herzen regierte.
Es war in diesem Moment auch von keiner Bedeutung – Zeit und Raum waren verloren in den Tiefen seiner geschundenen Seele.
Erschöpft fuhr er sich mit der Hand durch die silbernen Haare und sein Blick ging wie automatisch auf die Stelle an der der Sinn seines Lebens gestorben war.
Die einzelne Rose, die er an diese Stelle gebettet hatte, schien verloren auf dem großen Platz und doch war dieser Ort der Einzige an dem sie eine Bedeutung hatte und ihre Schönheit entfalten konnte.

Mit nur einem Schuss hatte Ari beendet, was eigentlich noch am Anfang gestanden hatte; dessen er sich aber so sicher gewesen war, wie wenigen Sachen auf der Welt.

Zärtlich hatten sie einander vor wenigen Tagen das erste Mal geküsst, hatten die Lippen des Anderen erforscht, seinen Geschmack aufgenommen und waren langsam leidenschaftlicher geworden.
Träumerisch fuhr er sich mit dem Zeigefinger über die Lippen, auf denen vor 12 Stunden noch die seiner Freundin geruht hatten.
„Ich freue mich auf heute Abend, Jethro..“

Lächelnd war sie in ihr Auto gestiegen und wenige Minuten später hatten sie professionell wie immer das Büro betreten – und keiner außer ihnen hatte gewusst, dass sie einander näher standen, als es den Anschein erweckte.

Seine Gedanken waren an seinem Arbeitsplatz mehr als einmal zu der schönen Frau an seiner rechten gewandert, hatten ihn träumen lassen und das glückliche Gefühl in seinem Herzen hatte er mehr als dankbar zur Kenntnis genommen.
Sie hatte um ihre Liebe gekämpft, lange Zeit, bevor er endlich seine Regeln vergessen hatte und seinem Herzen gefolgt war.
Und dann, vor ein paar Wochen, als er sie das erste Mal zu einem Essen ausgeführt hatte und er das glückliche Funkeln ihrer wunderschönen Augen gesehen hatte, da war ihm bewusst geworden, dass sie seine letzte Chance auf eine Liebe sein würde.

Sein Herz hatte er schon lange an sie vergeben; hatte es ihr geschenkt ab dem ersten Tag ihres Treffens.
Und die gute Profilerin die sie gewesen war, hatte sofort erkannt, dass es um ihn, um sie – und sie Beide geschehen war.

Doch die gemeinsame Zukunft ihrer Liebe war heute zerstört worden – unwiederbringlich.
Er bereute keine Sekunde nicht schneller auf ihr Werben eingegangen zu sein, denn er wusste, dass nur dieser eine Weg der Richtige gewesen war.
Er hatte diese Zeit gebraucht, um sich seiner Gefühle sicher zu sein, sich ihrer Gefühle klar zu werden und sich langsam auf die neue Situation einzustellen. Alles was schneller gewesen wäre, hätte es nicht perfekt werden lassen – so wie es in den letzten Tagen gewesen war.
Für beide hatte ein neues Leben begonnen, etwas, auf das sie schon seit langem gewartet hatten und das sie nun endlich auskosten konnten.
Wie Teenager hatten sie miteinander gekichert, hatte sich kleine, zaghafte Liebeserklärungen zugeflüstert und hatte die Berührungen des Anderen genossen.
Der Duft ihres Parfums hatte ein spezielles Gefühl bei ihm ausgelöst; eines das ihn erzittern lies, sobald sie an ihm vorbei ging und ein kleiner Hauch seine Nase erreicht hatte.
Wie sehr hatte seine Haut gekribbelt, als sich ihre Hände an einem klaren Sommerabend das erste Mal miteinander verschlossen hatten, wie sehr hatte sein Magen vor Aufregung gejubelt, wenn sie ihn angelächelt hatte; mit dem schönsten Lächeln, dass er jemals gesehen hatte.
Das Kichern, dass ihre Kehle verlassen hatte, wenn er ihr spielerisch sanft in die Seite gepiekt hatte, hallte noch immer in seinen Ohren und hinterließ einen feinen Schmerz, in dem Wissen, dass er dieses glockenklare Lachen nie wieder würde hören dürfen.

Noch bevor er sie das erste Mal geküsst hatte, war ihm klar, dass er sie liebte; denn ohne diese Grundlage wäre er nie in der Lage gewesen die eine Regeln zu brechen – und sich für sie zu ändern.
Und doch hatte er warten wollen, bis die drei wichtigsten Worte für Liebende seinen Mund verlassen sollten.
Er war ein Mann der alten Schule – ein „ich liebe dich“ hatte eine tiefe Bedeutung für ihn. Das seine Profilerin diese Worte bald hätte hören sollen, war ihm klar; sie hatte ihn wieder leben lassen, wie es lange keine Frau vor ihr getan hatte.

Der Gedanke, dass sie diese Liebeserklärung nie hören, nie fühlen und nie erwidern würde, ließ sein Herz gepeinigt aufschreien.

Schwer atmend ließ er einen letzten Blick über die Stelle schweifen, die ihm alles genommen hatte.

Die Zweifel, die sich immer wieder den Weg zu seinem Herzen bahnten, trafen ihn immer schwerer. Er wusste, dass er Kate nicht hatte besser beschützen können, aber sein Herz trug ihm trotz alledem die komplette Schuld zu.
Ari hatte sie ausgesucht und getötet, weil er gewusst hatte, was ihm seine Agenten bedeuteten. Er wusste, dass auch Gibbs in seinem Inneren ein Chauvinist war und ihn der Verlust einer Frau am härtesten Treffen würde.
Wie sehr er ihn wirklich damit getroffen hatte, würde der Mörder niemals erfahren.

Der Chefermittler bewunderte die Frauen, die in dieser heutigen Welt den Männern zeigten, dass sie Eier in der Hose hatten. Ein Lächeln streifte sein Gesicht, als ihm einfiel, mit was für einem entschlossenen Blick Kate auf der Air Force One vor ihm gestanden hatte und ihm mit vor Wut funkelnden Augen klar gemacht hatte, mit wem er es zu tun hatte.
Heute konnte er rückblickend sagen, dass schon in diesem Moment vom Schicksal geschrieben stand, das sie Beide etwas besonderes verband.

Doch nun war sie tot. Genommen von ihm, von ihren Freunden, ihren Kollegen und der Welt. Und doch nicht gestohlen aus seinem Herzen.
Es brach beinahe seine Stärke, dass die Strafe für das Brechen seiner eigenen Regel eine so grausame war.
Der Moment, in dem er sich selber offenbart hatte, dass Kate die Liebe seines Lebens war, hatte ihn erhellt – und gleichzeitig vor eine schwere Entscheidung gestellt.
Lächelnd schüttelte er den Kopf und ohne den Hauch eines Zweifels wusste er, dass jeder Schachzug ihrer Liebe ein korrekter gewesen war.
Hätte er seine Gefühle verleugnet und für sich behalten, wäre er jetzt, nach diesem Attentat ein gebrochener Mann.
Von allen grausamen Wegen, die das Schicksal für ihn ausgesucht hatte, hatte er den einzig Richtigen eingeschlagen.
Zu wissen, dass sie mit seiner Liebe im Herzen gestorben war, baute den silberhaarigen Mann in den schlimmsten Momenten wieder auf; denn die Profilerin hatte die schönsten Wochen ihres Lebens gehabt, bevor sie der Tod ereilt hatte.

Ari würde auch ihn versuchen zu töten – soviel war Gewiss – und der Gedanke daran ließ ihn nicht im Geringsten erschaudern.
Vielleicht war es auch für ihn langsam an der Zeit zu gehen – hin zu denen, die er liebte.

Denn war es nicht wie ein roter Faden, der sich durch sein Leben zog, dass alle Frauen, die er liebte, von ihm gegangen waren?
Im entrissen worden waren, weil er sie geliebt hatte und er sein Herz für sie geöffnet hatte?
Hatte nicht damals seine Frau und Tochter schon den Weg in die Unendlichkeit antreten müssen, weil man ihm hatte Schaden wollen?
Der Schmerz, den jahrelang sein Herz besetzt hatte, schien nie weichen zu wollen; egal, ob er mit einer Frau zusammen lebte, sie heiratete, oder einfach ihr Liebhaber war.
Keine der folgenden Frauen konnte ihm annährend das geben, was Shannon und Kelly ihm einst gegeben hatten.
Die billigen Imitate seiner ersten Ehe waren alle gescheitert – denn den Schlüssel zu seinem Herzen hatte er nie an diese Frauen weiter gegeben.

Aber dann, als Kate in sein Leben getreten war, mit ihrer Ungezwungenheit, ihrer Freude am Leben und ihrer Liebe für ihn – da hatte er das erste Mal sein Herz wieder geöffnet und eine Frau hineingelassen. Keine Sekunde seit ihrem Zusammentreffen hatte er sie verglichen, hatte gewollt, dass sie war wie der erste perfekte Abschnitt in seinem Leben. Sie war der neue Teil für ihn, für den es sich lohnte zu lieben und zu leben.
Jeden Moment, den Gott ihr mit ihr geschenkt hatte, wünschte er sich nur die Frau neben sich, die sie war. Wundervoll, anmutig und liebenswert.
Dass es Jahre gedauert hatte, bis er verstanden hatte, dass sie seine steinerne Fassade ab dem ersten Augenblick durchschaut hatte, hatte sie ihm nie zum Vorwurf gemacht.
Sie hatte vom ersten Augenblick an verstanden wie er war, wie sie ihn zu behandeln hatte und wie sie aus ihm den sie liebenden Mann formen konnte, der er jetzt war.

Seufzend hockte er sich noch ein letztes Mal neben die Stelle, an der er sich heute zum zweiten Mal von ihr verabschiedet hatte; alleine und nur mit ihrer Seele.

Tränen waren dem hartgesottenen Mann die Wangen hinunter gelaufen, waren langsam auf ihr kaltes Gesicht gefallen und hatten seinen Schmerz an sie weiter gegeben.
Tony war verzweifelt zum Wagen gelaufen, um einen Krankenwagen anzufordern und hatte ihn hier, auf dem Dach, alleine gelassen mit seiner Kate.
„Katie..“ ein verzweifeltes Lächeln war über seine Lippen gekommen und sanft, als könne er ihr weh tun, hatte er ihr mit zitternden Händen über die Wangen gestreichelt.
“Ich hab warten wollen, bis ich der richtige Zeitpunk ist dir zu sagen, was ich für dich fühle..“ Ein Schluchzer bahnte sich seinen Weg über den trockenen Hals und immer mehr Tränen fielen über sein Gesicht auf ihren Körper.
“Und du wirst mich auslachen von dort oben, wenn du mich jetzt hier mit deinem Körper knien siehst und weinen..“ Sein Blick wanderte gen Himmel und ein seichtes Lächeln legte sich auf seine Lippen.
„Ich, der Unnahbare.. Aber du weißt, dass ich das für dich nie gewesen bin. Vom ersten Moment in dem wir uns getroffen haben, wusste ich, dass du meine Seele, meine Gefühle und mein Herz lesen konntest – so wie ich bei dir.“ Zärtlich hatte er ihr die Augen geschlossen und das Blut ignoriert, dass durch ihre Kopfwunde auf seine Hände lief.
„Ich habe dich immer geliebt, Katie, auch wenn ich es dir nie gesagt habe.“
Immer mehr Tränen waren ihm die Wangen hinunter gelaufen und nur schwerlich hatte er sich zusammen reißen können, als er die Ambulanz die Treppen hinauf laufen hörte.
Flüsternd löste er sich von dem erkalteten Körper.
„Ich liebe dich, Kate..“


Wieder hatte sich ein Schleier vor seinen Augen gebildet und nur mühevoll konnte er einen weiteren Gefühlsausbruch verhindern.
Erschöpft rieb er sich mit der Hand über das Gesicht und gab sich einen Moment lang der Leere hin, die ihn einholte.
Er schloss für einen kurzen Moment die Augen und wieder holte ihn die Hoffnung ein, dass alles nur ein böser Traum gewesen sein könnte. Das Verlangen, sie in seinen Armen halten zu können, sie zu berühren und ihren Duft einzuatmen, schien übermächtig zu werden und ließ ihn verzweifelt den Kopf schütteln.
Die Liebe hatte ihn gebrochen, hatte ihm gezeigt, wie verletzlich er war. Ein Fegefeuer der Liebe war in seinem Inneren entfacht und ließ jeden Atemzug schmerzvoller werden als den vorherigen.
Das Versprechen an sich selbst, sein Herz nie wieder zu verschenken, war erneuert worden, als der leblose Körper seiner Katie auf den Boden aufgeschlagen war.
Und dieses Mal war es gewiss, dass er den Schlüssel zu seinem Herzen an keine Frau wieder würde abgeben können – denn Kate hatte diesen für immer mit sich genommen.
Hatte er beim Tod seiner erste Frau noch die leise Hoffnung gehabt, dass vielleicht einmal eine Frau kommen würde, um ihn wieder das Lachen zu lehren, das Lieben und das Vertrauen, so war ihm klar, das es dieses Mal endgültig vorüber war.

„Gibbs?“
Erschrocken sprang der Angesprochene auf. Die Anspannung, die kurz durch seinen Körper gezogen war, verschwand augenblicklich, als er sah, wer vor ihm stand. Es war nicht nötig ein Wort zu sprechen, um zu verstehen, was in dem Anderen vorging. Ein einziges Mal in seinem Leben ließ er seinen Kollegen in seinem Gesicht wie in einem offenen Buch lesen. Die Gefühle, die er für Kate hatte, waren es nicht wert sie zu verstecken. Zu wertvoll war das, was sie füreinander empfunden hatten.

„Du liebst sie, oder?“

Nickend bestätigte er die Aussage seines Gegenübers und zauberte sich selbst ein ehrliches Lächeln auf die Lippen, als er ihr die größte Liebeserklärung machte, zu der er jemals im Stande gewesen war. Egal ob in ihrem Leben oder nach ihrem Tod.

Noch einmal drehte er sich zu ihrem Grab, blickte auf die einsame Rose und lächelte Kate ein letztes Mal zu. Ihr Gesicht war zum Greifen nah und er wusste genau um das verschmitzte Lächeln, dass ihre Lippen jetzt umspielen würde, während sie ein lautloses „Ich weiß. Ich Dich auch.“ formen würden.

Er wand sich zum Gehen und nach den ersten Schritten, wiederholte er die Antwort für den anderen kaum hörbar: „Ja, das tue ich.“

Ende
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